BW Leipzig Hbf-West



E95 02


Das Vorbild:
  Im Jahre 1924 arbeitete die DRG Entwürfe zur Elektrifizierung der Strecke Breslau-Liegnitz-Arnsdorf aus, der Hauptabfuhrlinie für oberschlesische Kohle nach Berlin und Dresden. Auf dieser Strecke verkehrten täglich je 100 Güterzüge je Richtung. Hierfür sollte eine elektrische Lokomotive entwickelt werden, die in der Lage ist, 2.200-t-Güterzüge im Dauerbetrieb zu befördern. Außerdem sollten sie 530-t-Personenzüge mit einer Reisegeschwindigkeit von 45 km/h ziehen können. Die maximale Zugkraft sollte 36.000 kp betragen. Die Lokomotiven waren von vornherein als Doppellokomotiven ausgelegt, da mindestens 6 angetriebene Achsen notwendig sein würden und außerdem die Bahnbetriebswerke nicht für besonders lange Lokomotiven ausgerüstet waren. Nach mehreren Entwürfen, wobei man hauptsächlich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Antriebsarten auslotete, entschied man sich für den Bau von Lokomotiven mit damals noch neuartigen Tatzlagerantrieben. Die Fertigung der sechs Lokomotiven erfolgte bei AEG in Hennigsdorf, wobei der E-Teil von drei Maschinen durch die Siemens-Schuckertwerke SSW beigesteuert wurde. Ende 1927 war die erste Lokomotive E 95 01 fertig. Sie war mit einer Leistung von 2.778 kW, einem Gewicht von 138,5 t und einem Preis von 543.090 Reichsmark die damals stärkste, schwerste und teuerste Elektrolokomotive der DRG (zum Vergleich: die damals modernste Schnellzug-Dampflokomotive BR 03 kostete 185.000 RM). Wie schon fast üblich bei den damaligen schlesischen Elektrolokomotiven, besaß die E 95 an beiden Lokhälften eine langen, hohen Vorbau, in dem sich der ölgekühlte Haupttransformator und die Schützensteuerung befand. Als Hauptschalter fungierte ein Ölschalter. Der Führerstand war zurückgesetzt und entsprach somit keinesfalls den Ansprüchen an freier Sicht auf die Strecke, so wie es die Frontführerstände z.B. der E 21 oder sogar der wesentlich ältere E 91 bieten konnten. Die Maschinenräume hinter den Führerständen waren über seitliche Gänge erreichbar. Jede Treibachse besaß einen eigenen fremdbelüfteten Wechselstrom-Reihenschlussmotor, der mittels einem beidseitig angeordneten, geradverzahnten Tatzlagervorgelege auf die gefederten Großräder wirkt. Die Laufachsen waren als Bisselachsen ausgeführt. Beide miteinander verbundene Lokomotivhälften waren weitgehend gleich ausgeführt, konnten aber nicht separat verfahren werden. 1928 fanden die Abnahmefahrten auf dem schlesischen Netz statt, und da die Strecke Breslau-Liegnitz noch nicht elektrifiziert war (und auch nicht mehr wurde), setzte man die Lokomotiven auf den Strecken der Schlesischen Gebirgsbahnen ein. Ihre Beheimatung erfolgte im Bw Hirschberg. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten entwickelten sie sich zu den am wenigsten störanfälligen und zuverlässigsten Elektrolokomotiven des schlesischen Netzes. Sie waren vornehmlich im schweren Güterzugbetrieb eingesetzt, ab 1930 zeitweise auch im Personenzugverkehr. Die Beschaffung weiterer Lokomotiven unterblieb wegen der hohen Anschaffungskosten und auf Grund der Tatsache, dass mit der Entwicklung der E 93 und E 94 in der Anschaffung wesentlich billigere und vom Unterhalt her günstigere Alternativen geschaffen wurden. Alle sechs E 95 verrichteten ihren Dienst bis 1945 auf den schlesischen Strecken.

Die BR E95 im WWW:
Wikipedia: DR-Baureihe E 95